Streift man durch die Armenviertel der Hauptstadt der Dominikanischen Republik, Santo Domingo, sticht ein ebenso ungewöhnliches wie omnipräsentes, soziales Phänomen ins Auge. An jeder Ecke erwartet den Besucher ein in grellen Farben bemaltes Lotteriehäuschen. In einem Land, in dem die Arbeitsplätze rar sind, avanciert das Glücksspiel in den Lotterien zu einer greifbaren Option, an Geld zu kommen. Die Buden sind also ein impliziter Ausdruck des kollektiven Verlangens nach Wohlstand und Verbesserung der sozialen Umstände.
Gleichzeitig birgt die prosperierende Entstehung dieser Lotterie-Ketten eine Chance für Menschen, die auf den ersten Blick gar nichts damit zu tun haben: Graffiti-Künstler. Im Bestreben, sich deutlich und sichbar von anderen Lotterie-Betreibern abzuheben, werden diese beauftragt, die Außengestaltung der Annahmebüros vorzunehmen. In grellbunten Neonfarben, meist an berühmten Comic-Figuren wie Tweety, Mickey Mouse und Dexter orientierten Motiven prangen die Slogans der Lotterien in onomatopoetischen Typographien von den Wänden.
Die ungewöhnliche Gestaltung der Lotterien erfreut sich so großer Popularität, dass daraus eine eigene Szene um den bekanntesten Künstler des Landes Lolo Jackson entstand, die sich darauf spezialisiert, ihre gestalterischen Künste auch Friseursalons, Bars und kleine Supermärkte anzubieten.
Zur Info: “Santo Domingo and its Lotteries” ist ein Kapitel des von uns vorgestellten Buches “de mi barrio a tu barrio” aus dem Gudberg Verlag.
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